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Bassumer Stiftswassermühle von Anfang an mit Turbine

 

Die Stiftswassermühle von 1881 hatte von Anfang an eine moderne Turbine und nie ein Wasserrad. Das Landesamt für Denkmalpflege hat bestätigt, was schon 1997 im Bassumer Mühlenbuch nachgewiesen wurde, aber umstritten blieb. Die Kontroverse ist damit entschieden.

„In unserem Buch „Mit Wasser und Wind“ haben wir belegt, dass die Stifts-

mühle von Anfang an mit der damals revolutionären Turbi-

nentechnik ausgestattet war“, sagt der Bassumer Historiker Harald Focke.
Den Befund bestätigt

Helmut Behrens: „Noch nie ist ein Foto mit einem Rad an der Stifts-

mühle aufgetaucht.“ Behrens muss es wissen: Er kennt alle Postkarten und wohl auch alle anderen historischen Bilder von Bassum. Von ihm und dem inzwischen verstorbenen Fotografen Walter Brackland stam-

men zahlreiche Fotos im Band „Mit Wasser und Wind“ von 1997.


Prof. Dr. Bernd Ulrich Hucker von der Universität Vechta vertratin sei-

nem Buch über das Stift eine andere Meinung: „Der Klosterbach trieb das Mühlrad bis 1926“.  Doch die Inventarliste im Stiftsarchiv bewies, dass die Stiftsmühle nach 1881 nie eines besaß.

 

Nun räumt der anerkannte Spezialist Prof. Rüdiger Wormuth in einem neuen Buch des Landesamtes für Denkmalpflege über die Mühlen in den Landkreisen Diepholz und Nienburg die letzten Zweifel an den bis-

herigen Beweisen der Bassumer Mühlenforscher aus.


Neubau 1881

Nachdem Ende der 1870er Jahre die alte Stiftsmühle marode war, ließ Äbtissin von Issendorf den Fachwerkbau durch ein massives Backstein-

gebäude ersetzen. Wormuth fand heraus, dass die Mühlenbaufirma Ge-

brüder Propfe in Hildesheim 1881 zunächst alternativ eine Anlage mit herkömmlichem Wasserrad und eine mit Francis-Turbine angeboten hatte.

 

Beide Konzepte hat Wormuth nach Unterlagen aus dem Stiftsarchiv neu gezeichnet und erstmals veröffentlicht. Zusätzlich standen damals Tur-

binen von Firmen aus Osnabrück und Gotha zur Wahl. Mühlenpächter Ernst Wüsteney drängte auf den leistungsfähigsten Antrieb; die Fran-

cis-Turbine wurde eingebaut. Ein Oberwasser-Zulauf setzte sie in Gang, das Wasser läuft also von oben hinein und tritt unten wieder aus. In der neuen Mühle war die Turbine mit 1.700 Mark das teuerste Einzelteil.

 

Am 1. November 1881 begann der Mahlbetrieb. Es war jetzt theoretisch möglich, in 24 Stunden 2,5 Tonnen Mehl oder 6 Tonnen Schrot zu mah-

len. Dank mehrerer Petroleum-Lampen an den Holzbalken konnte der Müller bei guter Auftragslage und viel Wasser im Klosterbach auch abends und nachts arbeiten. 

 

1926 Turbine ausgetauscht

Erst 1926 musste die Turbine nach 45 Dienstjahren ausgetauscht wer-

den. Die neue lieferten Atorf und Propfe aus Paderborn. Installiert wurde sie in einem am Unterwasser angebauten Turbinenhaus. Das Schild der Herstellerfirma ist bis heute erhalten. Im Mai 1962 verließ der letzte Müller die Stiftswassermühle.


Um ein neues Wehr und die dafür erforderliche Fischgleite zu errichten, erhielt die Stadt Bassum 1998 das längst eingezogene Staurecht zu-

rück. Damit war es möglich, die stillgelegte Turbine aufzuarbeiten und wieder zu nutzen. Seit 2001 kann sie Strom aus Wasserkraft liefern.

 

Lesen Sie mehr über die Stiftswassermühlen in dem Buch MIT WASSER UND WIND, siehe REGIONALES.

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