Alles, was schwimmt, fliegt und fährt
Alles, was schwimmt, fliegt und fährt
 

Im Liniendienst auf dem Atlantik

Neue Erinnerungen an die Passagierschiffe BERLIN, BREMEN und EUROPA
des Norddeutschen Lloyd
176 Seiten,

116 Abbildungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem großen Erfolg des ersten Erinnerungsbandes berichten hier weitere Besatzungsmitglieder und Fahrgäste des Norddeutschen Lloyd über den Liniendienst zwischen Deutschland und den USA zwischen 1954 und 1971. Bisher kaum bekannte Bereiche des Bordalltags werden informativ, anschaulich und unterhaltsam vorgestellt. Die ideale Ergänzung zu „Mit dem Lloyd nach New York“!


Sie fuhren noch auf Bremens letzten Linern:

 

Als Bordfotograf auf der GRIPSHOLM setzte Jürgen Richert ab Februar 1954 eine alte Lloyd-Tradition fort. Die ersten Reisen unter deutscher Flagge waren stürmisch. Zwar gelangen Richert selbst aus dem Krähennest eindrucksvolle Fotos, doch von Anfang an machte ihm die Seekrankheit schaffen. Sie ließ ihn nicht los: Ende April musterte Richert wieder ab.

 

Ihr Vater besorgte Ursula Grevesmühl 1957 eine Stelle als Verkäuferin im Bordladen der BERLIN. Auf ihr traf sie zahlreiche Prominente, vor allem aber ihren späteren Mann, den Ingenieur Willi Hahn. Sie überstand die gefährliche Orkanfahrt vom Frühjahr 1959 und verließ die BERLIN zu ihrem späteren Bedauern etwas zu früh.

 

Um ein Jahr als Austauschschülerin in den USA zu verbringen, reiste Monika Reitzig im März 1959 mit der BERLIN nach New York. Es wurde die schlimmste Reise ihres Leben: Die BERLIN  geriet in einem Orkan in Seenot. Vier Besatzungsmitglieder wurden über Bord gespült und verloren ihr Leben. Auf dem Schiff herrschte tagelang Chaos. Monika Reitzigs Tagebuch dokumentiert das Drama aus ungewohnter Perspektive.

 

Unbeirrt verfolgte er sein Ziel, zur See zu fahren: Einen anderen Beruf konnte sich Eberhard Nölke nicht vorstellen. Er genoss seine Zeit auf Lloyd-Frachtern, fuhr als 3. und 2. Offizier auf der BERLIN und erlebte die Passagierschiffahrt in Bremerhaven auch von der Landseite. Ein erster Höhepunkt seiner Karriere waren die Jahre als Leitender Offizier auf der BREMEN.

 

Höhen und Tiefen prägten Werner Falkenbergs lange Fahrenszeit auf der BREMEN: Schon 1958 lernte er sie während des Umbaus beim Bremer Vulkan kennen. Ein Jahr später machte er die Jungfernreise mit und blieb mit Unterbrechungen in verschiedenen Positionen an Bord, zuletzt als Leitender Ingenieur, bis die Lloyd-Flagge 1972 eingeholt wurde. Falkenberg war auch auf der Überführungsfahrt der früheren BREMEN als REGINA MAGNA nach Piräus dabei. Noch ein halbes Jahr lang wies er die griechische Besatzung ein.

 

Der Weser-Kurier hielt die Jungfernreise der neuen BREMEN im Juli 1959 für so interessant, dass er seinen Redakteur Werner Sauermilch mit dem Liner über den Atlantik Erster Klasse nach New York fahren ließ. Er sah und hörte weit mehr als normale Passagiere, er erkundete die BREMEN von der Brücke über die Funkstation bis zur Maschine und sprach mit Offizieren und Ingenieuren.

 

Mit vielen Erinnerungen an ihre Orkanfahrt auf der BERLIN  fuhr die Schülerin Monika Reitzig nach ihrem Austauschjahr in den USA auf der BREMEN nach Deutschland zurück. An Bord war auch der Abiturient Horst Mügge. Sechs Wochen zuvor war er mit der UNITED STATES nach New York gekommen. Der Zufall wollte es, dass sich beide auf der BREMEN ineinander verliebten. Die gemütliche Bordatmosphäre mit Tanz in der Taverne trug ihren Teil dazu bei.

 

Seine Arbeit an Bord war kein Zuckerschlecken und doch fühlte sich Peter Seidel als Kochsmaat und Schlachter auf der BREMEN wohl. Er verließ das Schiff nach fünf Jahren nur seiner Frau zuliebe. „Wenn mir morgen einer sagt, du kannst noch mal auf der BREMEN einsteigen, wär’ ich sofort wieder dabei“, sagt Seidel. Auf allen drei Bremer Linern ist er gefahren, auf der BERLIN und der BREMEN auch im Liniendienst.

 

Günter Knoke genoss den besonderen Komfort und Service als Passagier der Ersten Klasse, er saß am Kapitänstisch, plauderte mit den Leitenden Ingenieuren und ließ sich auch sonst zwischen Brücke und Maschinenraum kein Angebot entgehen.

 

Eigentlich wollte er Seefunker werden, doch als das nicht klappte, bewarb sich Wolfgang Hoppe beim Norddeutschen Lloyd in seinem an Land erlernten Beruf als Elektriker. Auf der BERLIN in ihren letzten Dienstjahren bewies er, dass er improvisieren konnte und mit einer 40 Jahre alten Technik zurechtkam. „Mich hat fasziniert, die BERLIN in Betrieb zu erleben und zu halten“, sagt Hoppe.

 

1965 wollte Manfred Wiedau unbedingt zur Weltausstellung nach New York. Doch für die Reise fehlte ihm das Geld. Deshalb ging er als Aufwäscher auf die BERLIN. Da ihm die Seefahrt gefiel, blieb er an Bord, um in seinem erlernten Beruf als Schriftsetzer zu arbeiten. Weil er vergaß, sich vor der Außerdienststellung der BERLIN um eine neue Stelle als Borddrucker zu kümmern, arbeitete Wiedau auch auf der EUROPA solange als Aufwäscher, bis dort eine Stelle in der Druckerei frei wurde.

 

An Bord hießen sie „Hochwürden“ oder „die Theos“ - die abenteuerlustigen Theologiestudenten Christian Broese und Wilhelm Tesch aus Göttingen. Für die letzte Rundreise der BERLIN im Liniendienst im Herbst 1966 heuerten sie als Messejungen an. Sie kümmerten sich nach ihrer Arbeit um andere Besatzungsmitglieder, notierten expressionistische Gedanken über ein New York voller Kontraste, legten sich mit einem Vorgesetzten an und schafften es sogar, dass die Kirche ihnen ihre Fahrt über den Atlantik als Sozialpraktikum anerkannte.

 

Und so urteilen die Rezensenten:

 

Bremisches Jahrbuch

Ein besonderes Thema bildet die Orkanfahrt der Berlin, bei der im März 1959 vier Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Dieser Vorfall, dessen Auswirkungen „lloyd-offiziell“ flugs heruntergespielt wurden, hätte fatal für das Schiff, seine Passagiere und Besatzung ausgehen können.

 

Die Aussagen einer Passagierin und einer Verkäuferin im Bordladen illustrieren nicht nur den dramatischen Vorgang aus Bremens früher maritimer Nachkriegsgeschichte neu, sondern rücken ihn in ein neues, wesentlich kritischeres Licht. So bildet dieses Thema einen ganz eigenen Schwerpunkt des Buches.

 

Bleibt nur noch nachzutragen, dass die Bildauswahl ebenso abwechslungsreich und ansprechend gelungen ist wie beim Vorgängerband.

 

Hamburger Rundbrief

Mit seinem jüngsten Buch baut Focke seine einmalige Sammlung von Erinnerungen aus. In Gesprächen mit Zeitzeugen kommen interessante Episoden zutage, manches schon bekannte wird durch andere Perspektiven noch plastischer und damit lebendiger.

 

Schiffsführung, Seemannschaft, Technik, Passagierbetreuung: vom Kapitän bis zum Messejungen reicht das Spektrum aus dem Mannschaftsbereich; hinzu kommen Passagiere der Ersten und der Touristenklasse.

 

Durch Sorgfalt und Einfühlungsvermögen kann Focke seine Zeitzeugen wiederum mit größtmöglicher Authentizität präsentieren. Wir lesen eben nicht nur (nach)-erzählte Geschichte, sondern Focke lässt immer auch ein Stück Persönlichkeit des Gesprächspartners einfließen - ganz unaufdringlich, fast unmerklich, aber gerade deshalb so überzeugend. Dabei geht der Dokumentationscharakter keinesfalls verloren, sondern es wird im Gegenteil das Festgehaltene gekonnt unterstrichen.

 

Neben Gesprächen verwendet der Autor diesmal auch Tagebuchaufzeichnungen und sogar Seefunkberichte. Zur Illustration konnten einige „Schätze“ aus den Privatbeständen der Befragten „gehoben“ werden, natürlich bislang unveröffentlicht und vom Verlag in gewohnter Spitzenqualität reproduziert.

 

Auf eine nochmalige Kurzvorstellung der drei NDL-Liner verzichtet Focke - eine richtige Entscheidung. Wer einen der Bände besitzt, wird auf den anderen ohnehin nicht verzichten wollen.

 



Hier können Sie meine Bücher

bestellen!

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Lloyd Klassik Kontor